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Solo Founder

Hetzner Alternative: Warum ich auf Cloudflare Workers gewechselt habe

Hetzner war günstig. Cloudflare ist günstiger. Aber das ist nicht der Grund warum ich gewechselt habe — als Solo Dev ist deine Zeit der echte Flaschenhals.

26. März 20267 Min. Lesezeitvon Marco Kotzian
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Solo Developer mit mehreren Deployment-Dashboards — entspannt statt gestresst

Hetzner war günstig. Cloudflare ist günstiger. Aber das ist nicht der Grund warum ich gewechselt habe.

Als Solo Dev ist deine Zeit der Flaschenhals — nicht der Server. Und Cloudflare Workers eliminieren den Management-Overhead so vollständig, dass ich heute viele Projekte parallel betreibe ohne eine einzige Zeile Infrastruktur-Code anfassen zu müssen.

Das ist keine Übertreibung. Das ist mein Alltag seit der Migration.

Was ist Cloudflare Workers?

Cloudflare Workers ist eine serverlose Laufzeitumgebung von Cloudflare, die Code direkt am Edge — also in Rechenzentren nahe beim Nutzer — ausführt, ohne dass du einen Server konfigurieren, warten oder skalieren musst.

Du schreibst JavaScript, TypeScript oder WebAssembly. Du deployest. Fertig. Cloudflare übernimmt alles andere: Skalierung, Verteilung, Verfügbarkeit. Das Modell heißt "pay per request" — du zahlst nur wenn dein Code läuft, nicht für Idle-Zeit.

Das Ökosystem drumherum ist mittlerweile vollständig: KV für Key-Value-Speicher (statt Redis), R2 für Objektspeicher (S3-kompatibel), D1 für SQLite am Edge. Zusammen mit externen Diensten wie Neon (serverless Postgres) ergibt sich ein Stack der für Solo-Projekte kaum zu schlagen ist.

Was ist Infrastructure as Code?

Infrastructure as Code (IaC) bedeutet: Deine gesamte Infrastruktur ist in Konfigurationsdateien definiert — versioniert, reproduzierbar, automatisiert.

Kein manuelles Klicken in einer Cloud-Console. Kein "das hab ich damals irgendwie eingerichtet und weiß nicht mehr wie". Alles liegt im Git-Repo. Neues Projekt aufsetzen bedeutet: wrangler deploy. Das war's.

Für Solo-Devs ist IaC nicht nice-to-have. Es ist der Unterschied zwischen einem System das du kontrollierst und einem das dich kontrolliert.

Wie ich mit Hetzner angefangen habe

Ich habe lange Hetzner genutzt. Für MVPs war es perfekt: Coolify installieren, Projekte dockerized deployen, fertig. Günstiger Root-Server, eigene Kontrolle, schnell aufgesetzt.

Für den Einstieg gibt es wenig Besseres. Hetzner liefert zuverlässige Hardware zu unschlagbaren Preisen. Die Community ist groß, die Dokumentation gut. Ich verstehe jeden der damit anfängt.

Das Problem fängt danach an.

Wo Hetzner zum Flaschenhals wurde

Sobald ein Projekt ernsthafter wird, ändert sich das Bild. Load Balancer müssen konfiguriert werden. Mehrere Server für Redundanz. Datenbank-Backups. Monitoring. Updates.

Ich habe das alles gemacht. Aber jede dieser Aufgaben kostet Zeit — und als Solo Dev habe ich keine Ops-Abteilung die das übernimmt.

Der kritische Punkt: Migration ist fast unmöglich ohne Downtime. Wenn du einmal auf einem Hetzner-Setup bist, das gewachsen ist, steckst du fest. Datenbank umziehen, Daten migrieren, DNS umstellen, Load Balancer neu konfigurieren — das sind Wochen-Projekte, keine Nachmittage.

Die Datenbank wurde zum eigentlichen Bottleneck. Nicht die Compute-Leistung, nicht die Bandbreite — sondern das Fakt dass eine Postgres-Instanz auf einem VPS irgendwann gemanagt werden will.

Ich hatte das 2020 schon bei Enterprise-Projekten erlebt wo ich auf serverless AWS gesetzt habe. Dort hat mir das Prinzip klar gemacht: Je weniger Infrastruktur ich selbst manage, desto mehr Zeit habe ich für das was zählt.

Die Migration: Ein Projekt in einem Tag

Als ich Cloudflare Workers ernsthaft evaluiert habe, war ich skeptisch ob das für echte Projekte funktioniert. Die Migration hat mich eines Besseren belehrt.

Ein bestehendes Projekt, das ich auf Hetzner betrieben habe, migrierte ich in einem einzigen Tag auf Cloudflare Workers. Was ich erwartet hatte als Wochenprojekt war am Abend erledigt.

Der Schlüssel war nicht nur Cloudflare selbst — sondern die Kombination mit Neon als serverless Postgres. Keine Datenbank-VM mehr. Neon skaliert automatisch, schläft in Idle-Phasen ein (kein unnötiges Geld verbrennen), wacht sofort wieder auf. Das ist Production Readiness ohne den Management-Overhead.

Mein Stack heute

Das Setup das ich seitdem für alle Projekte nutze:

  • Next.js — auf Cloudflare Workers (mit @cloudflare/next-on-pages)
  • Neon.db — serverless Postgres, kein eigener DB-Server
  • Cloudflare KV — statt Redis, für Sessions und Caching
  • Cloudflare R2 — S3-kompatibel, für Datei-Uploads und Assets
  • Wrangler — IaC-Deployment, alles in wrangler.toml definiert

Deployment-Zeit: 2 Minuten 30 Sekunden vom git push bis live.

Das Ergebnis: Ich kann heute viele Projekte parallel betreiben ohne dass irgendein Management-Aufwand entsteht. Kein SSH auf Server. Kein docker compose up. Kein "welches Update ist jetzt fällig". Alles läuft, alles skaliert automatisch, alles ist IaC-first.

Genau die gleiche Denkweise habe ich in mein Dev-Setup übernommen — wo ich als Solo Dev mit dem richtigen Tooling wie ein ganzes Team arbeite: Mit dem richtigen Setup wirst du als Solo Dev zum Dev Team.

Was das wirklich bedeutet: Zeit als Ressource

Das ist der Kern den viele beim Infrastruktur-Vergleich verpassen.

Die Frage ist nicht "Welcher Anbieter ist technisch besser?" Die Frage ist: "Was kostet mich die Infrastruktur an Zeit?"

Hetzner: günstig in Euro, teuer in Stunden. Cloudflare Workers: etwas teurer in Euro bei bestimmten Use Cases, fast gratis in Stunden.

Als Solo Founder mit einem Day Job und zwei Kindern ist Zeit meine knappste Ressource. Jede Stunde die ich nicht auf einem Server verbringe ist eine Stunde die ich in das Produkt investieren kann.

Vendor Lock-in ist real — ich bin mir bewusst dass ich mich auf Cloudflares Ökosystem verlasse. Das ist eine bewusste Entscheidung. Die Alternative wäre Lock-in durch Komplexität auf einem selbst verwalteten Server. Der ist mindestens genauso schlimm, nur weniger offensichtlich.

Cloudflare Workers vs. Hetzner: Der Vergleich

KriteriumCloudflare WorkersHetzner VPS
Setup-ZeitMinutenStunden bis Tage
Deploymentwrangler deploy (2:30 min)Docker, CI/CD, manuell
SkalierungAutomatisch, sofortManuell, Load Balancer nötig
Kosten bei wenig TrafficFree Tier~4–6 EUR/Monat
Kosten bei viel TrafficPay-per-Request (kann teuer werden)Günstiger als CF
Management-OverheadMinimalHoch (Updates, Security, Backups)
Migration / PortabilitätStandard-APIs, relativ portabelDocker hilft, aber VPS-Config bleibt
IaC-FirstNative (wrangler.toml)Möglich (Ansible, Terraform), aber aufwändig
DatenbankNeon / D1 serverlessEigene Postgres-Instanz
Solo Dev Empfehlung✅ Für die meisten Projekte✅ Für spezifische Use Cases

Wann Hetzner immer noch die richtige Wahl ist

Ich will fair sein: Hetzner ist nicht obsolet.

Wenn du rechenintensive Workloads hast — GPU-Training, große Datenverarbeitung, Video-Encoding — kommt Cloudflare Workers nicht in Frage. Dafür ist es nicht gebaut.

Wenn du sehr hohe Request-Volumen hast und jede Millisekunde Latenz zählt, kann ein dedizierter Server in Frankfurt günstiger sein.

Wenn du die volle Kontrolle brauchst weil regulatorische Anforderungen es verlangen (DSGVO-Spezifika, branchenspezifische Compliance), kann ein selbst betriebener Server in Deutschland die einzige Option sein. Dazu passt auch das Thema Local LLMs und DSGVO — der Stack-Ansatz ist ähnlich.

Für den typischen Solo-Dev der SaaS-Produkte baut: Cloudflare Workers ist schneller, günstiger in Zeit, und skaliert automatisch wenn dein Produkt wächst.


Häufige Fragen

Was sind die Alternativen zu Hetzner für Solo-Projekte?

Cloudflare Workers ist für serverlose Web-Applikationen und APIs die stärkste Alternative. Für Full-Stack-Projekte mit Next.js: Cloudflare Workers mit Neon als serverless Postgres. Weitere Optionen: Fly.io (Container, einfacher als VPS), Railway (Developer-fokussiert, vereinfachtes Deployment), Vercel (Next.js-nativ, aber teurer bei Skalierung). Hetzner bleibt die beste Wahl für rechenintensive Workloads und GPU-Instanzen.

Wofür sind Cloudflare Workers geeignet?

Cloudflare Workers eignen sich für: Web-APIs und REST-Backends, Edge-Middleware (Auth, Redirects, A/B-Tests), Next.js-Applikationen (mit @cloudflare/next-on-pages), Webhooks und Event-Processing, statische und dynamische Websites. Nicht geeignet für: Long-Running-Prozesse (Max. 30s CPU-Zeit), rechenintensive Workloads, oder große binäre Datenverarbeitung.

Cloudflare Workers vs. VPS: Was ist besser für Solo-Projekte?

Für die meisten Solo-Projekte ist Cloudflare Workers besser — nicht wegen der Euro-Kosten, sondern wegen der Zeit-Kosten. Kein Server-Management, kein Patching, keine Downtime-Angst bei Deployment. Der VPS gewinnt bei spezifischen Use Cases: hohe Rechen-Last, sehr hohes Request-Volumen (dann wird CF teuer), oder wenn vollständige Infrastruktur-Kontrolle nötig ist.

Ist Hetzner ein guter Hosting-Anbieter?

Ja, absolut. Hetzner bietet hervorragende Hardware zu unschlagbaren Preisen und ist ideal für Einsteiger, Entwickler die volle Kontrolle wollen, und rechenintensive Workloads. Für Solo-Devs die schnell deployen und wenig Zeit für Infrastruktur haben, ist Cloudflare Workers oder eine ähnliche serverlose Plattform langfristig die bessere Wahl — nicht weil Hetzner schlecht ist, sondern weil Zeit die knappste Ressource ist.

Wie viel kostet Cloudflare Workers?

Der Free Tier enthält 100.000 Requests pro Tag, was für die meisten kleinen Projekte ausreicht. Der Workers Paid Plan kostet 5 USD/Monat und enthält 10 Millionen Requests inklusive. Darüber: $0.30 pro Million Requests. Neon (serverless Postgres) hat einen Free Tier für kleinere Datenbanken, danach ab $19/Monat. R2-Storage ist günstiger als S3 (kein Egress-Pricing). Für ein typisches Solo-SaaS-Projekt: 10–30 USD/Monat für die gesamte Infrastruktur.

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Marco Kotzian

Marco Kotzian

External CTO & Senior Software Engineer

10+ Jahre Erfahrung in SaaS-Entwicklung, erfolgreicher Exit an Konzern. Spezialisiert auf Production Readiness und technische Skalierung.

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