No-Code Vendor Lock-in vermeiden: Strategien für SaaS-Gründer
37% der Unternehmen sorgen sich um Vendor Lock-in. So baust du dein No-Code SaaS, ohne in der Falle zu landen.

Du hast dein SaaS mit Bubble gebaut. Die ersten Kunden zahlen. Alles läuft. Dann erhöht Bubble die Preise - und du merkst: Du kannst nicht weg. Dein Code gehört dir nicht. Eine Migration bedeutet kompletter Neubau.
Willkommen im Vendor Lock-in.
Was ist Vendor Lock-in?
Vendor Lock-in entsteht, wenn du so stark von einer Plattform abhängig bist, dass ein Wechsel praktisch unmöglich oder extrem teuer wird. Bei No-Code-Plattformen ist das besonders kritisch, weil:
- Dein "Code" nicht exportierbar ist
- Deine Daten in proprietären Formaten liegen
- Deine Workflows nur auf dieser Plattform funktionieren
Das Problem ist real: Laut einer Studie von AIMultiple sorgen sich 37% der Unternehmen um Vendor Lock-in bei Low-Code/No-Code Plattformen. Weitere 47% haben Bedenken wegen schlechter Skalierbarkeit.
Warum ist das bei No-Code besonders kritisch?
Kein Code-Export
Bei Bubble, Webflow oder Adalo gibt es keinen "Export as React"-Button. Was du baust, bleibt auf der Plattform. Wie DBB Software erklärt: Migration bedeutet fast immer kompletter Neubau von Grund auf.
Proprietäre Datenformate
Deine Datenbank-Struktur, deine Workflows, deine Business-Logik - alles ist an das Format der Plattform gebunden. Ein Export gibt dir bestenfalls CSV-Dateien, aber nicht die Logik dahinter.
Preiserhöhungen ohne Alternative
Wenn dein gesamtes Business auf einer Plattform läuft und diese die Preise verdoppelt, hast du zwei Optionen: Zahlen oder monatelang migrieren. Beides ist schmerzhaft.
Vendor Lock-in wird als "die echte Bedrohung für Low-Code Plattformen" beschrieben - nicht AI, sondern "wirtschaftliche Ausbeutung, wenn Plattformen die Preise verdreifachen, während Kunden gefangen sind." (Refine)
Die versteckten Kosten von No-Code bei Skalierung
No-Code ist günstig - bis es das nicht mehr ist.
Workload Units explodieren
Bei Bubble zahlst du nach Workload Units (WUs). Was bei 100 Usern okay ist, kann bei 10.000 Usern unbezahlbar werden. Laut Low Code Agency können WU-Kosten "schnell eskalieren und für Anwendungen mit hohem Traffic, komplexen Operationen oder großer Nutzerbasis prohibitiv werden."
Harte Limits schlagen zu
Bubble hat dokumentierte Hard Limits:
- 10.000 Einträge als Maximum für Listen auf einem Datenbank-Objekt
- 300 Sekunden Timeout für Workflows
- 10.000 kombinierte Elemente pro Seite (Elements, Events, Actions)
Diese Limits treffen dich nicht am Tag 1. Sie treffen dich, wenn du bereits Kunden hast und nicht einfach wechseln kannst.
Die Preisspirale
Ein Rechenbeispiel von Sidetool:
- Bubble: ~$13.188/Jahr, steigend mit Skalierung
- Custom App: ~$30.000 einmalig + unter $100/Monat Cloud-Kosten
- Break-even: Etwa 9 Monate
Je früher du diese Rechnung machst, desto besser.
Strategien gegen Vendor Lock-in
1. Daten-Portabilität von Anfang an planen
Deine Daten sind dein wertvollstes Asset. Sorge dafür, dass du sie jederzeit mitnehmen kannst.
Konkret:
- Regelmäßige Datenbank-Exports (automatisiert)
- Dokumentation deiner Datenstruktur außerhalb der Plattform
- Keine Abhängigkeit von plattform-spezifischen Datentypen
2. API-First Architektur
Nutze externe APIs und Services wo möglich. Wenn deine Business-Logik in Bubble-Workflows steckt, bist du gefangen. Wenn sie in einer externen API liegt, kannst du die Platform wechseln.
Beispiel:
- Zahlungen: Stripe direkt anbinden, nicht über Bubble-Plugin
- Auth: Eigener Auth-Service oder Auth0 statt Bubble-native
- Email: SendGrid/Resend direkt, nicht über Platform-Features
3. Hybrid-Ansatz: No-Code + Custom Code
Laut Low Code Agency gewinnt der Hybrid-Ansatz an Traktion: Bubble für schnelles Prototyping, Custom APIs und Scripts für kritische Funktionen.
Wann Hybrid sinnvoll ist:
- Performance-kritische Features
- Komplexe Business-Logik
- Integrationen mit Legacy-Systemen
- Alles, was skalieren muss
4. Exit-Strategie definieren
Plane von Tag 1, wie ein Ausstieg aussehen würde:
- Was würde eine Migration kosten?
- Welche Features sind Platform-spezifisch?
- Welche Daten sind kritisch?
- Wie lange würde ein Neubau dauern?
Du musst nicht migrieren. Aber du solltest wissen, was es kosten würde.
5. Verträge mit Datenportabilität verhandeln
Bei Enterprise-Plänen: Verhandle Klauseln zur Datenportabilität. Quixy empfiehlt: "Verträge mit Datenportabilitäts-Klauseln verhandeln, offene Standards und APIs nutzen."
Wann du wechseln solltest
Migration ist teuer und zeitaufwändig. Aber manchmal ist sie notwendig.
Warnsignale
- Kosten übersteigen den Nutzen: Deine Workload Units kosten mehr als ein Custom-Stack
- Performance-Probleme: Ladezeiten werden inakzeptabel, trotz Optimierung
- Funktionale Limits: Du brauchst Features, die die Plattform nicht bieten kann
- Sicherheitsanforderungen: Enterprise-Kunden verlangen Compliance, die du nicht erfüllen kannst
Die 83% Statistik
Ein wichtiger Datenpunkt: Gartner berichtet, dass 83% aller Daten-Migrations-Projekte scheitern oder das Budget überschreiten. Kostenüberschreitungen liegen durchschnittlich bei 30%, Zeitüberschreitungen bei 41%.
Das ist kein Argument gegen Migration. Es ist ein Argument für gute Planung.
Fazit: No-Code ist ein Tool, keine Strategie
No-Code ist großartig für MVPs, Prototypen und schnelle Validierung. Aber es ist ein Werkzeug, keine langfristige Architektur-Entscheidung.
Die wichtigsten Takeaways:
- 37% der Unternehmen sorgen sich zu Recht um Vendor Lock-in
- Migration bedeutet bei No-Code fast immer kompletter Neubau
- Plane Datenportabilität von Tag 1
- API-First und Hybrid-Ansätze reduzieren Abhängigkeit
- Kalkuliere die wahren Kosten bei Skalierung
Nächste Schritte
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Quellen:
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