Vibe Coding ist Wünschen. Agentic Coding ist Bauen.
Warum KI-Prompting kein Coding ist — und wie ein Multi-Agent-Setup mit Claude Code echte Ingenieurarbeit möglich macht.

Es gibt einen Begriff der gerade durch die Tech-Bubble schwirrt: Vibe Coding.
Klingt cool. Klingt modern. Klingt nach Zukunft.
Ist aber Wunschdenken mit Autocomplete.
Ich sage das nicht um jemanden zu bashen. Ich sage das, weil ich selbst durch diese Phase gegangen bin — und weil der Unterschied zwischen Vibe Coding und dem was danach kommt, den Unterschied zwischen einem Prototyp und einem echten Produkt ausmacht.
Was Vibe Coding wirklich ist
Vibe Coding bedeutet: Du tippst einen Prompt. Du schaust was rauskommt. Du hoffst.
"Bau mir eine SaaS-App mit Login, Stripe-Integration und einem Dashboard."
Der Assistent liefert. Du bist begeistert. Es sieht aus wie eine App.
Und dann versuchst du es anzupassen. Ein Feature hinzuzufügen. Einen Bug zu fixen. Die Datenbankstruktur zu ändern.
Plötzlich merkst du: Du weißt nicht was da eigentlich gebaut wurde. Du hast kein mentales Modell. Du hast keinen Plan. Du hast einen Haufen KI-generierten Code, den du nicht durchschaust — und jetzt steckst du fest.
Das ist Vibe Coding. Es fühlt sich an wie bauen. Es ist aber konsumieren.
Was Agentic Coding ist
Agentic Coding ist etwas fundamental anderes.
Du gibst einem AI-Agenten keinen vagen Wunsch. Du gibst ihm einen Plan, Kontext und Constraints.
Das klingt so:
- Hier ist die Architektur des Systems.
- Hier sind die Interfaces die ich brauche.
- Hier sind die Randbedingungen: kein External State, alles idempotent, TypeScript strict mode.
- Deine Aufgabe: Implementiere Modul X. Nicht mehr, nicht weniger.
Der Agent weiß was er tun soll. Er weiß was er nicht tun soll. Und du weißt was rauskommt — weil du es spezifiziert hast.
Das ist Ingenieurarbeit mit AI. Nicht Wünschen.
Mein konkretes Setup
Ich baue gerade deepmemo.io — ein RAG-basiertes Wissensmanagement-Tool. Alleine. Neben einem CTO-Job und zwei Kindern.
Das funktioniert nur weil ich aufgehört habe zu viben.
Mein aktuelles Setup mit Claude Code ist kein "AI-Assistent der hilft" — es ist ein Team von Spezialisten.
Der Orchestrator steht oben. Er nimmt mein Ziel, zerlegt es in Aufgaben und weist sie den richtigen Agenten zu. Ich spreche mit ihm. Er koordiniert den Rest.
Darunter die Spezialisten — je nach Aufgabe:
- Researcher → analysiert die Codebase, liest Dokumentation, bringt Kontext
- Architekt → entwirft die Lösung, definiert Interfaces und Struktur
- Security-Experte → prüft jeden Änderungsvorschlag auf Schwachstellen
- Frontend-Developer → baut UI und Interaktion gegen die Spec des Architekten
- Backend-Developer → implementiert API, Datenbanklogik und Businesslogik
- Tester → prüft Edge Cases, schreibt Tests, findet was die anderen übersehen haben
- Dokumentations-Agent → hält alles fest, schreibt saubere Docs, trackt den Fortschritt
Jeder Agent hat seinen Scope. Keiner macht mehr als er soll. Der Orchestrator hält den Faden.
Das Ergebnis: Code den ich verstehe, Entscheidungen die dokumentiert sind, und ein System das sich selbst erklärt.
Warum das den Unterschied macht
Lass mich konkret werden.
Szenario A: Vibe Coding
Du promptest eine Auth-Integration. Sie funktioniert. Drei Wochen später willst du OAuth hinzufügen. Du weißt nicht wie die bestehende Auth aufgebaut ist. Du promptest wieder. Es "funktioniert" — bis es das nicht mehr tut. Technische Schulden die du nicht mal siehst.
Szenario B: Agentic Coding
Du schreibst erst die Spec für deine Auth-Schicht: Interfaces, Typen, erwartetes Verhalten. Sonnet implementiert gegen diese Spec. Du reviewst. Du verstehst was da steht — weil du die Spec geschrieben hast. Drei Wochen später: OAuth-Integration ist eine klare Erweiterung einer bekannten Schnittstelle.
Der Unterschied ist nicht die AI. Der Unterschied bist du.
Was das für dich bedeutet
Wenn du gerade Vibe Coding betreibst und glücklich bist: Gut. Für Prototypen, für Exploration, für schnelle Ideen — absolut legitim.
Aber wenn du ein Produkt bauen willst das du verkaufst, skalierst, wartst — dann brauchst du den Wechsel.
Der Wechsel bedeutet nicht, weniger AI zu nutzen. Er bedeutet, besser mit AI zu arbeiten.
- Lern deine Tools verstehen, nicht nur benutzen
- Schreib Specs bevor du implementierst
- Behandle AI-Agenten wie Junior-Devs: klare Tasks, klare Constraints, klares Review
- Behalte das mentale Modell deines Systems — immer
Das Unbequeme
Vibe Coding ist verlockend weil es schnell Ergebnisse liefert.
Agentic Coding ist besser weil es nachhaltige Ergebnisse liefert.
Am Anfang ist Agentic Coding langsamer. Du musst mehr denken. Du musst mehr spezifizieren.
Aber nach zwei, drei Wochen? Ich baue schneller als je zuvor. Weil ich nicht mehr Zeit damit verbringe, KI-generierten Code zu entwirren den ich selbst nicht verstehe.
Wer den Unterschied versteht, baut Produkte.
Wer ihn nicht versteht, baut Spielzeug das gut aussieht — bis jemand anfängt es wirklich zu nutzen.
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